Minikameras – wie sich Segen in Fluch wandelte

Dennis Oderwald 9. März 2010 0

Einst kannte ich die Minikameras nur von meinem Elternhaus. Dort hatten wir schon seit einigen Jahren eine Hightech-Alarmanlage, die natürlich auch mit einer Minikamera ausgestattet war. Ich kann mich entsinnen, dass wir eines Tages, als wir aus dem Urlaub zurückkehrten, tatsächlich ein halb verwüstetes Haus vorfanden. Damals wurde bei uns eingebrochen, die Sicherheitsfirma konnte die Täter aber zu dem Zeitpunkt nicht fassen. So standen wir da und wussten nicht so recht, wie wir mit der Situation umgehen sollten.

Nach einigem genaueren Hinsehen haben wir aber erkannt, dass die Minikameras, die im ganzen Haus verteilt waren, selbstverständlich gut versteckt in Pflanzen und Büchern, noch vorhanden waren. Wir konnten also kurze Zeit später die Bilder der Minikameras sichern und an den Sicherheitsdienst, ebenso wie an die Polizei herausgeben. Die zuständigen Mitarbeiter waren ganz begeistert, denn dank der scharfen Bilder, die unsere Minikamera ihnen lieferte, konnten sie die Täter super erkennen. Es hat dann auch nicht lange gedauert, bis die Diebe geschnappt waren und unser Hab und Gut konnten sie aufgrund der Meldung, dass es gestohlen war, auch noch nicht verkaufen. Insofern bekamen wir alles zurück.

Das nun also war meine sehr positive Erfahrung mit der Minikamera, wenngleich sie schon einige Jahre zurückliegt. Doch leider wandelte sich die positive Meinung dieser technischen Errungenschaft vor kurzem ins ganze Gegenteil. Eine Kommilitonin sprach mich an, dass von ihrem Konto plötzlich Gelder fehlten und ob ich etwas ähnliches beobachtet hätte, da ich bei der gleichen Bank war. Zum Glück war mein Konto nicht angerührt worden. Ich konnte mir aber nicht erklären, wie es zu Barabhebungen beim Konto meiner Kommilitonin kommen konnte. Nach einigem Hin und Her sind wir dann gemeinsam zur Bank gegangen, um dort nachzufragen. Dort wusste man bereits von ähnlichen Problemen und hatte die ganze Bank bereits durchsucht. Schnell stellte sich heraus, dass eine Minikamera im Geldautomaten installiert worden war. Man ging nun also davon aus, dass die PIN meiner Freundin ausspioniert worden war und riet ihr, die Karte sperren zu lassen und eine neue zu beantragen, was sie auch gleich tat.

Das Geld bekam sie zwar zurück, doch der Schock war groß. Zumal der freundliche Mitarbeiter der Bank uns ein Foto vom manipulierten Geldautomaten zeigte. Darauf war absolut nichts zu erkennen. Es wäre nie jemand auf die Idee gekommen, dass dort eine Minikamera installiert war. Genau das sei das Problem, hieß es auf der Bank. Trotzdem Banken natürlich mit entsprechenden Überwachungssystemen ausgestattet sind, werden diese zu selten angeschaut, so dass es nicht sofort auffällt, wenn sich jemand anders als üblich am Geldautomaten zu schaffen macht. Also wurde die Minikamera erst einige Tage später entdeckt. Der gute Mitarbeiter der Bank gab uns dann noch den Tipp, stets die Hand über die Tastatur zu halten, wenn wir unsere PIN eingeben, dann hätte auch die Minikamera keine Chance mehr, die Daten auszuspähen. Allerdings wollte man sich bei der Bank auch dafür stark machen, dass die Überwachungsbänder künftig regelmäßiger durchgeschaut werden, um solche Probleme in Zukunft schneller erkennen zu können.

Seit diesem Vorfall habe ich ehrlich gesagt eher ein gespaltenes Verhältnis zur Minikamera und muss sagen, dass sie mir mehr als Fluch, denn als Segen vorkommt. Bleibt an dieser Stelle nur zu hoffen, dass solchen Gaunern langfristig das Handwerk gelegt wird oder die Banken sich neue Sicherheitssysteme einfallen lassen, die noch bessere Sicherheit versprechen. Andernfalls traut man sich ja bald gar nicht mehr die Vorteile des Automaten zu nutzen und holt sich sein Geld doch lieber wieder auf die altmodische Art und Weise am Schalter. Den Tipp mit der Hand über der Tastatur werde ich aber dennoch beachten und kann ihn euch da draußen auch nur ans Herz legen.

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